Museen im Kreis Stormarn:

Der Eiskeller in Jersbek

Eiskeller A

Zweireihige Steinwälle isolieren den Eiskeller, 18 Bäume spendeten früher zusätzlich Schatten. Von ihnen blieb nur eine alte Kastanie (links) von Bränden verschont.

Der Jersbeker Gutsherr Bendix von Ahlefeldt hielt seine Vorräte gut gekühlt in einem 1736 errichteten Eiskeller. Der ist bis heute erhalten und würde noch funktionieren - wenn man 90 000 Kilogramm Eis hinein füllen würde.

Käse und Schinken - eisgekühlt nach Gutsherrenart

Eis-Ernte um 1900: Ein altes Foto zeigt Männer mit Schlapphüten oder Kappen und in dünnen Mänteln auf dem zugefrorenen Teich, in den Händen riesige Sägen. Die Eisblöcke fuhren sie mit Holzschlitten zum Eiskeller. Er war Vorratsraum des Gutes Jersbek seit 1736 und ist heute der einzige vollständig erhaltene historische Eiskeller in Norddeutschland.

Sieben Meter tief ist die Eisgrube im Keller, sie war früher bis zum Rand mit Eis gefüllt. Etwa 75 Pferdefuhrwerke voll oder 90 000 Kilo Eis passten da hinein. Doch das Eis musste trocken sein, nach dem Sägen lagen die Blöcke ein oder zwei Nächte bei minus 15 oder 20 Grad gestapelt.

In der Grube wurden dann zwischen jede Schicht und an die Ränder Strohmatten gelegt, Hohlräume wurden gefüllt, so dass keine Luftlöcher in der kompakten Eismasse blieben. Um so länger hat das Eis gehalten,. Und das hielt lange: Nur 15 bis 25 Prozent schmolzen in einem Jahr und mussten ersetzt werden. In milden Wintern nahm man dazu Schnee, den man mit Wasser zu festen Blöcken presste.

So ein Keller muss gut gedichtet sein: Die Grube selbst liegt in einem natürlichen Sandhügel unter der Erde, die Mauer rings um den Keller wird gebildet durch eine Doppelreihe von Steinwällen, gefüllt mit Erde und Torf - an der Ostseite drei Meter breit, an der Westseite zwei Meter. Zusätzlich sorgten 18 Laubbäume rings um den Keller für Schatten im Sommer - Kastanien und Linden, die ersteren haben ihr Blattwerk oben, die letzteren unten.

Im Vorraum, wo früher das Kühlgut gelagert wurde, hielt sich die Temperatur konstant bei acht bis zehn Grad plus. Da stapelten sich Butter, Milch und Käse - Schinken und Wild hingen direkt über der Eisgrube. Die Männer mit Schlapphüten, die das Eis sägten, kamen wohl kaum in den Genuss der gekühlten Vorräte - die waren für die Herrschaft da.

Der Eiskeller wäre noch heute funktionstüchtig. Bei der Wiedereröffnung 1985 ist versucht worden, den Eiskeller voll mit Eis zu machen; es hat aber nur zu einem Drittel gereicht. Heute ist die Grube eislos, im Vorraum sind nicht Lebensmittel eingelagert, sondern alte Werkzeuge ausgestellt, darunter auch einige über zwei Meter lange Eis-Sägen, gestiftet vom Elmenhorster Privatmuseum Rickert und von der Rohlfshagener Kupfermühle.

Errichtet wurde der Eiskeller vermutlich 1736 vom damaligen Besitzer des Gutes Jersbek, Bendix von Ahlefeldt. Erst 1938 wurde der Eiskeller überflüssig, als moderne Kühltechnik aufkam. Danach zerfiel er immer mehr. 1984 wurde er wieder aufgebaut und erhielt ein original neues Reetdach.

Dem war es beschieden, noch zwei Mal durch Brandstiftung vernichtet und wieder aufgebaut zu werden: 1992 und 1996. Die Brände zerstörten auch die alten Bäume um den Eiskeller. Von ihnen steht heute nur noch eine mächtige Kastanie.

Eigentümer der Anlage ist die Gemeinde Jersbek.

 

Anschrift/Anfahrt:
Eiskeller Jersbek, Allee, 22941 Jersbek
Am Ortseingang links an der Kreisstraße aus Richtung Bargteheide.

Öffnungszeiten:
Geöffnet: nur nach Vereinbarung

 

Die Lübecker Nachrichten (LN) haben in einer Serie im Sommer 2003 über die in Stormarn befindlichen Museen berichtet. Diese, im Dezember 2004 aktualisierten Berichte haben wir hier mit freundlicher Unterstützung durch die Zeitung und den Autoren der Serie, Tonio Keller aufgenommen.

Aus dieser Serie ist auch das Buch "Museumslandschaft Stormarn" entstanden, das im Buchhandel erhältlich ist

Modell der Burg Stegen

Seite als PDF versenden

Online Services

Stormarn Porträt

Links und Informatives

Aktuelle Umfrage

Wer wird Fußball-Weltmeister?

Argentinien

Brasilien

Deutschland

Italien

Neuseeland

Spanien