Museen im Kreis Stormarn:
Das Haus der Natur in Ahrensburg-Wulfsdorf
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Uwe Schneider vor dem "Haus der Natur" in Wulfsdorf. Das Haus war lange Zeit eine Jugendstrafanstalt, bevor es der Verein Jordsand als Museum herrichtete. |
Ein Museum über die Natur sollte nicht lebensfern sein, und das Haus der Natur ist auch alles andere als das: Es gleicht eher einem Taubenschlag. In der Wulfsdorfer Villa leben und arbeiten - jeweils für einige Zeit - junge Menschen, die sich für Natur und Umwelt engagieren. Betreut werden sie vom Verein Jordsand und von Uwe Schneider - der Seele des Hauses und des Vereins.
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Uwe Schneider kennt alle Vögel. Hier zeigt er eine Mantelmöwe auf dem Diorama "Lummenfelsen von Helgoland". |
Hier wird der Vogelwelt ein Denkmal gesetzt
"50 000 Vögel, das ist eine Discothek, die Sie nicht abschalten können. Da können Sie nur im Zelt essen, denn die machen alles voll." Uwe Schneider wird am nächsten Tag früh um 5 Uhr mit einer internationalen Gruppe von 20 Jugendlichen zur Hallig Norderoog aufbrechen, zur Durchführung von Küstenschutzmaßnahmen.
Der über 60-Jährige ist Geschäftsführer des Vereins Jordsand und damit auch des vereinseigenen Museums "Haus der Natur" im Ahrensburger Ortsteil Wulfsdorf.
Mit Beginn des Jahres 2005 geht Uwe Schneider nach
über 25 Jahren aktiver und erfolgreicher Arbeit für den Verein und
das Haus der Natur in den Ruhestand und übergibt Dr. Markus Risch die
Leitung des Vereins Jordsand.
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Bei der Indianer-Woche bemalen Emna (12), Ina (7) und Anna (9, v.l.) ihr Tipi. |
Naturkunde ist in diesem Hause keine graue Theorie: Von dort aus werden regelmäßig Exkursionen veranstaltet. Der Verein besitzt Schutzgebiete von Rügen bis Helgoland", sagt Schneider - unter anderem auch das Ahrensburger Tunneltal, die älteste besiedelte Fläche in Schleswig-Holstein mit archäologischen Funden.
Das Haus der Natur ist vieles in einem: Naturkundliche und historische Schule, Erlebnispark, Platz für Kinder-Ferienaktionen, Vorbereitungsort für Klassenreisen und Exkursionen, Sitz des Vereins Jordsand und vor allem Treffpunkt für engagierte Jugendliche aus aller Welt - im Rahmen von Zivildienst, Freiwilligem Ökologischen Jahr, europäischem Austausch.
Und das Haus der Natur ist natürlich auch ein Museum, wo der Besucher sich über die Natur Norddeutschlands informieren kann. Sofort fallen die vielen ausgestopften Vögel auf, die in so genannten Dioramen arrangiert sind, der künstlichen Darstellung einer Landschaft:
Das Wattenmeer, der Lummenfelsen von Helgoland, das
Ahrensburger Tunneltal wurden szenenhaft nachgebildet, und zwar ebenfalls von
Jugendlichen. Auf Schautafeln wird die Arbeit des Vereins in seinen
Schutzgebieten erläutert.
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Ausgestopft und aufgestellt: Ein Weißstorchpaar mit Jungen. |
Über die Vogelwärterberichte aus den Schutzgebieten, die seit 1907 archiviert werden, schreiben Studenten ihre Diplomarbeiten.
Das Haus selbst ist ebenfalls einer Betrachtung wert: Es wurde 1909 gebaut und enthielt den ersten Personenaufzug in Schleswig-Holstein. Die großzügigen Räume erinnern an die wilhelminische Zeit.
Die weitere Zukunft des Hauses war betrüblich: Von 1926 bis 1981 war es Jugendstrafanstalt, also durchgängig von der Weimarer Republik bis zur Demokratie. Die Nazis hatten Grässliches vor: Das 500 Hektar große Gebiet bis zum Bredenbeker Teich sollte das größte deutsche Jugend-KZ werden. Dazu kam es nicht mehr.
Nach 1981 stand das Haus leer und verfiel zur Ruine. Der Verein setzte es in Eigenleistung wieder instand. "67 Räume, 165 Türen, 2500 Fensterscheiben - und keine Putzfrau", weiß Schneider wie aus der Pistole geschossen. "Hier fasst jeder mit an, und wenn Sie eine Spinnwebe sehen, ist das ein ökologischer Beitrag,"
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Diorama "Lahnungsreihe": eine Doppelreihe von Pfählen als Wellenbrecher, mit Möwen. |
Was wäre das Haus der Natur ohne seinen Park: Unter alten Bäumen kann der Museumsbesucher gemütlich spazieren gehen, am großen Teich seine Füße ins Wasser baumeln lassen.
Acht Hektar groß ist der Park, mit allein vier Hektar Wasserfläche. Er wurde 1906 bis 1909 nach englischem Vorbild angelegt. Wassergeflügel hat sich von selbst angesiedelt, es gibt über 70 heimische und exotische Baumarten, erklärt auf einem naturkundlichen Lehrpfad.
"Hier ist immer etwas in Blüte, und wenn es die
Eisblume ist", sagt Schneider. Der Park ist auch idealer Ort für
Kinder-Ferienaktionen. Zum Beispiel für die Indianer: Eine Woche lang
Zelte bemalen, Amulette basteln, Kräuterquark anrühren - und einen
riesiger Totempfahl errichten. Der wird den Park noch weiterhin schmücken.
Hough!
Fast 100 Jahre alter Verein
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Das Vereinsschild von Jordsand, das älteste emaillierte Naturschutzschild Deutschlands. |
Der Verein Jordsand wurde 1907 zum Schutz der Seevögel gegründet, und zwar auf der Hallig Jordsand nördlich von Sylt im heutigen Dänemark. Er besitzt zahlreiche Schutzgebiete, unter anderem die sechs Hektar große Hallig Norderoog in Nordfriesland oder das Ahrensburger Tunneltal.
Im Ahrensburger Ortsteil Wulfsdorf betreibt der Verein das Museum "Haus der Natur" mit Park und Naturlehrpfad und besitzt rund 160 Heidschnucken mit 100 Lämmern auf Außenflächen im Rahmen des Projektes "halboffene Weidelandschaft" - eine der größten Herden in Schleswig-Holstein. Ganzjährig werden im Park Thementage "Natur zum Anfassen" sowie Exkursionen in die Schutzgebiete angeboten.
Der Verein ist anerkannt für 20 Zivildienstleistende, allerdings stehen oft nur sechs bis sieben zur Verfügung. Dazu kommen etwa ebenso viele junge Leute im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und meist ein paar im Rahmen des European Volontary Service (EVS).
Anschrift/Anfahrt:
Haus der Natur,
Bornkampsweg 35, 22926 Ahrensburg
Der Bornkampsweg zweigt von der B 75
südlich von Ahrensburg ab. Der Weg ist ausgeschildert.
Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 17
Uhr.
Für Hausführungen ist eine Anmeldung erforderlich.
Weitere Details zum Museum finden Sie auf der nächsten Seite.
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Die
Lübecker Nachrichten
(LN) haben in einer Serie im Sommer 2003 über die in Stormarn befindlichen
Museen berichtet. Diese, im Dezember 2004 aktualisierten Berichte haben wir
hier mit freundlicher Unterstützung durch die Zeitung und den Autoren der
Serie, Tonio Keller aufgenommen. |
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