Museen im Kreis Stormarn:

Das städtische Heimatmuseum Reinfeld

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Reinfeld wurde 1186 von Zisterziensern gegründet, doch von dem Kloster stehen heute nur noch 100 Meter Mauer. Wie die Klosterkirche mit Klostergarten einst ausgesehen hat, kann der Besucher im Modell sehen. Gewerbeschüler haben es in den 50er-Jahren gebaut.

Reinfeld war einmal ein Kloster und hatte einmal ein Schloss. Beides steht nicht mehr, aber das Heimatmuseum erzählt ihre bewegte Geschichte - und die des größten Sohnes der Stadt.

Mönche und Mauern, Murmeln und Modelle

Die Murmelsammlung ist legendär. Es wurde schon behauptet, es sei die weltgrößte, aber wie will man das sicher wissen?

Die größte in Deutschland ist sie bestimmt. Das Reinfelder Heimatmuseums hat die Murmeln in vielen Jahren von Feldern, Knicks und Baugruben zusammen getragen.

4000 sind im Heimatmuseum ausgestellt, sortiert nach Material: Lehm, Ton, Kalkstein, Marmor, Blei, Porzellan, Erdenware, Steinzeug, Glas.

Die ältesten sind von etwa 1600, von den jüngeren aus Glas waren manche ursprünglich Flaschenverschlüsse. Die Kinder nannten sie früher deshalb ,Selters'.

Das Reinfelder Heimatmuseum in der Straße "Neuer Garten" bietet reichlich Material zur Geschichte des erst 1926 zur Stadt gewordenen Fleckens. Der Ort war eine Klostergründung der Zisterzienser um 1186.

Ein großes Holzmodell zeigt die Klosterkirche mit Klostergarten, angefertigt in den 50er-Jahren von Schülern der Oldesloer Gewerbeschule bei Lehrer Uwe Timmermann. Solche Modelle wurden auch bei den großen Umzügen der Reinfelder Karpfenfeste mitgeführt.

Reinfeld C

Eine neue Errungenschaft ist ein automatisches Torf-Klosett von 1887 der Berliner Firma Triumph.

Ein besonderes Schmuckstück des Museums ist die Pietà aus Eichenholz von 1490, die in der Klosterkirche über dem Hauptaltar hing. Das Gesicht Marias ist durch Beschädigung völlig unkenntlich geworden, doch gerade das gibt der trauernden Mutter Jesu eine starke Ausstrahlung. 1582 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst, die Anlage 1599 abgebaut.

Die Kirche blieb allerdings noch bis 1635 stehen, dann wurde sie durch die Folgen eines Dammbruchs zerstört. Bodo Zunk hat den 1300 Meter langen Verlauf der Klostermauer rekonstruiert, von der heute noch 100 Meter stehen. Das Ergebnis ist als Anhang in der Chronik "Reinfeld im 20. Jahrhundert" veröffentlicht.

Klostersteine liegen denn auch im Museum zuhauf. Besondere Formen stammen von Fenstern oder Gewölben. Die Steine wurden später für alle möglichen Bauten verwendet, ein Großteil von ihnen für das Schloss, das Herzog Johann der Jüngere von Holstein-Plön 1604 fertig stellen ließ.

Auch vom Schloss haben die Gewerbeschüler ein Modell gebaut, denn von diesem ist gleichfalls nichts mehr übrig: Es wurde 1775 nach dem Aussterben der Plön'schen Linie (1761) abgerissen.

Das Schloss noch gesehen hat der, der als "größter Sohn der Stadt" bezeichnet wird, die damals wohlgemerkt noch keine Stadt war: Matthias Claudius (1740 bis 1815).

Das Museum beherbergt sämtliche Ausgaben des "Wandsbeker Boten" und ein Bleistiftportrait des Dichters von Friederike Leisching, über das Claudius' Frau Rebecca sagte: "Dat is dat einzigste Bild, wo ick mi noch an Vadder erinnern kann. Up de Ölbiller kenn ick em gaar nich wedder."

Ein weiterer Dichter, der in Reinfeld lebte, war Joachim Mähl mit seiner Übersetzung des "Reineke Voss" ins Plattdeutsche (1878).

Nun sind wir bereits in der Abteilung des 19. Jahrhunderts angelangt, in der dänischen und später preußischen Zeit. Seit zwei Jahren gibt es auch eine Abteilung zur Zeit von 1900 bis 1950, unter anderem mit Zeugnissen über den "Friedensgeneral" Paul von Schoenaich. Eine besondere Abteilung ist die Heimatstube, die von den Landsmannschaften betreut wird.

Nicht nur Heimatforscher, auch Kinder können im Museum ihren Spaß haben, zum Beispiel bei einer "großen Wäsche" mit Waschbrett, Zuber und Sunlicht-Seife.

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Wenn Bodo Zunk im Museum "Waschtag" hatte, war das eine prima Aktion für Kinder.

Eine Odyssee durch sechs Domizile
Nach Angaben von Bodo Zunk

Das Reinfelder Heimatmuseum, gegründet 1913, ist das älteste in Stormarn. Der Bürgerverein bildete dafür eine Kommission unter Pastor Johannes Wolters, der bis 1935 die Museumsleitung inne haben sollte. Der Flecken stellte einen großen Schrank für die ersten Exponate und einen Ausstellungsraum zur Verfügung.

"Gerade beim schönsten Ordnen überraschte uns der Krieg", schrieb Kommissionsmitglied Theodor Bruss. Die Eröffnung mit über 200 Exponaten erfolgte am 15. August 1920. Der kleine Sitzungssaal im Rathaus blieb die erste Heimat des Museums. Geöffnet war es jeden ersten Sonntag im Monat.

1935 mietete der neue Leiter Pastor Martin Clasen vier Räume im "Neuen Garten" an. Die Sammlung zählte nun 390 Exponate und wurde von Clasen neu geordnet.

Nach dem Verkauf dieses Hauses 1938 nahm man mit zwei Zellen im ehemaligen Amtsgerichtsgefängnis vorlieb. Bereits 1939 konnte jedoch die Nutzung der Diele und des Bodens des Organistenhauses (1969 abgerissen) in der heutigen Matthias-Claudius-Straße vereinbart werden.

Der 200. Geburtstag von Matthias Claudius im August 1940 war ein würdiger Anlass zur Neueröffnung. Der Vertrag ging über 25 Jahre, doch bereits im November 1944 kam der Räumungsbefehl.

Er zwang die Exponate in eine Notunterbringung auf dem Boden und im Keller des Rathauses, für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Der Bestand wurde von der britischen Besatzung durchforstet, und so mancher Gegenstand trat als "Souvenir" seine Reise über den Kanal an.

Vorerst wurden alle verfügbaren Räume von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt. Erst 1963 konnte Erich Katzschke, Museumsleiter von 1962 bis 1991, im Amtsgericht am Neuen Garten zwei Räume beziehen.

Allerdings waren sie keinesfalls optimal: Feuchtigkeit und schlechte Lichtverhältnisse mussten noch 20 Jahre geduldet werden.

1970 wurde das Amtsgericht aufgelöst, das Gebäude wurde frei. Nach einem Umbau für 1,1 Millionen Mark erhielt das Museum 1984 dort 210 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 116 Quadratmeter Archiv, einen Arbeitsraum und Magazinräume. Damit fand die Odyssee nach 70 Jahren und sechs Domizilen ein Ende.

 

Anschrift/Anfahrt:
Reinfelder Heimatmuseum, Neuer Garten 9, 23858 Reinfeld

Öffnungszeiten:
Geöffnet: Mittwoch und Sonnabend 16 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 12.30 Uhr

Weitere Details zum Museum finden Sie auf der nächsten Seite.

 

Die Lübecker Nachrichten (LN) haben in einer Serie im Sommer 2003 über die in Stormarn befindlichen Museen berichtet. Diese, im Dezember 2004 aktualisierten Berichte haben wir hier mit freundlicher Unterstützung durch die Zeitung und den Autoren der Serie, Tonio Keller aufgenommen.

Aus dieser Serie ist auch das Buch "Museumslandschaft Stormarn" entstanden, das im Buchhandel erhältlich ist

Modell der Burg Stegen

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