Museen im Kreis Stormarn:
Die Glinder Wassermühle am Kupfermühlenweg
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Annegret Lauer vor der Glinder Mühle. Am Tor rechts war früher die Laderampe. |
Mühlen waren die Fabriken früherer Jahrhunderte. Mönche hatten einst die Kunst entwickelt, Wasserkraft nutzbar zu machen. Die Glinder Wassermühle wurde lange als Kupfermühle genutzt, zeitweise aber auch als Fellmühle oder Kornmühle. Mitglieder des Heimatvereins haben die Technik zum Teil wieder in Stand gesetzt. Wie bei Max und Moritz kann jetzt der Besucher hören:
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Mit Hilfe der Wasserkraft werden auch die schweren Mehlsäcke nach oben gehoben. Kurt Lauer demonstriert die Funktionsweise. |
Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke
"Es klappert die Mühle am rauschenden Bach", heißt es in dem alten Volkslied. Die Glinder Kupfermühle klappert seit den 80er-Jahren wieder, dank der Initiative des Heimat- und Bürgervereins und der Stadt Glinde.
Allerdings speist sich das Wasser für das Mühlrad nicht mehr aus der Glinder Au: Der "rauschende Bach", der früher vom Wehr des Mühlenteiches herab kam, blieb zugeschüttet.
Jetzt wird zum Klappern der Mühle ein Wasserbecken von drei Kubikmetern mit einer Pumpe umgewälzt. Im Inneren ist ein Teil der Mechanik wieder hergestellt und kann in Funktion besichtigt werden.
Kurt Lauer ist stellvertretender Mühlenwart und betreut zusammen mit seiner Frau Annegret ehrenamtlich das Museum für den Verein. Der über 70-Jährige demonstriert die Mechanik: Auf Knopfdruck sprudelt das Wasser über das original nachgebaute Mühlrad, dieses setzt alle weiteren Räder des Mühlenwerkes in Gang.
Das Korn wurde früher auf der hochgelegenen Rampe angefahren und in den Mahlgang geschüttet, der schwere Mühlstein im unteren Stockwerk mahlte es fein. Danach mussten die Säcke mit dem fertigen Mehl wieder nach oben an die Laderampe befördert werden, wo die Wagen standen.
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Die Mechanik im Innern der Mühle wurde von den Vereinsmitgliedern wieder instand gesetzt und kann in Funktion betrachtet werden. |
Dazu nutzte man ebenfalls die Wasserkraft. Lauer zeigt es: Er koppelt das Hebewerk ins Räderwerk ein und - schwupp - wird der Sack nach oben gezogen.
Wassermühlen gab es bereits in der Antike, doch Verbreitung fanden sie in Europa erst ab dem 12. Jahrhundert. Mönche hatte die Technik so verbessert, dass die Wasserkraft für viele Zwecke genutzt werden konnte, nicht nur zum Mahlen von Mehl, sondern auch zum Walken von Wolle, zum Sägen von Holz, zum Hämmern von Eisen. In Glinde ist eine Mühle erstmals 1229 erwähnt.
Sie gehörte zum damaligen Zisterzienserkloster, es ist aber nicht sicher, ob es sich dabei um eine Mühle an diesem Standort handelte. Eine solche ist ab 1648 aktenkundig, als es das Zisterzienserkloster schon nicht mehr gab. Sie wurde als Fellmühle betrieben, drehte Bottiche zum Beizen, Walken und Waschen. 1678 wurde ein Kupferhammer eingerichtet, der fast 200 Jahre lang für wirtschaftliche Blüte sorgte. Ab 1864 wurde die Mühle zur Farbholzmühle, danach zur Kornmühle. 1887 hatte das Wasserrad ausgedient - ein elektromotorischer Antrieb machte unabhängig von wechselnden Wasserständen. 1952 wurde die Turbine abgeschaltet.
Ende der 70er-Jahre war die Mühle so verfallen, dass sie beinahe abgerissen worden wäre, doch sie wurde 1979 unter Denkmalschutz gestellt. 1981 erwarb sie die Stadt und sorgt seitdem für ihren Unterhalt. Die etwa 200 Mitglieder des Heimat- und Bürgervereins setzten sie instand und betreiben ehrenamtlich das Museum.
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Ein Karussell-Modell, Leihgabe der Familie Uven. |
Gemahlen wird dort heute nicht mehr: Das elektrische Pumpwerk hat nicht Kraft genug, den schweren Mühlstein gegen den Reibungswiderstand zu drehen, und außerdem "müssten wir hinterher alles entstauben", meint Lauer.
Das wäre nichts für die Ausstellungsstücke des Heimatmuseums, das die Mühle ebenfalls beherbergt: Küchen und Werkstätten aus früheren Zeiten, Kornsäcke und Wäsche, alte Radiogeräte.
Alles ist hoch- und plattdeutsch beschildert. Es finden Veranstaltungen der Volkshochschule statt, plattdeutsche Lesungen und Vorträge, Konzerte und Feste.
Um die Funktionsweise einer Mühle verständlich zu machen, haben Vereinsmitglieder in liebevoller Kleinarbeit mehrere Mühlenmodelle aufgebaut. Eines davon zeigt eine Kupfermühle mit Hammerwerk, ein solches hatte auch die Glinder Mühle einst in Betrieb. Auf Knopfdruck werden die Modelle elektrisch betrieben: "Klopf, klopf, klopf" macht da der kleine Kupferhammer - so funktionierte die High-Tech früherer Jahrhunderte.
Anschrift/Anfahrt:
Glinder Wassermühle,
Kupfermühlenweg, 21509 Glinde
Öffnungszeiten:
Geöffnet:
Sonnabend und Sonntag 14 bis 18 Uhr
Weitere Details zum Museum finden Sie auf der nächsten Seite.
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Die
Lübecker Nachrichten
(LN) haben in einer Serie im Sommer 2003 über die in Stormarn befindlichen
Museen berichtet. Diese, im Dezember 2004 aktualisierten Berichte haben wir
hier mit freundlicher Unterstützung durch die Zeitung und den Autoren der
Serie, Tonio Keller aufgenommen. |
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