Museen im Kreis Stormarn:
Das Ahrensburger Schloss - Wohnkultur der neureichen Barone
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Das Schloss, gespiegelt im Schlossgraben, bietet bei jeder Witterung ein majestätisches Bild. |
Erst reich, dann geadelt, später verarmt - so erging es zwei Familien. Die eine erbaute das Ahrensburger Schloss, die zweite kaufte es fast 200 Jahre später.
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Im Hochzeitszimmer mimt Museumsführerin Sabine Alm-Schneider eine Standesbeamtin. |
Wie aus weißem Porzellan liegt es inmitten von dunklem Grün, sein Bild spiegelt sich zwischen Wasserrosen: das Ahrensburger Schloss. Unter den Stormarner Museen hat es den größten Besucherzulauf zu verzeichnen: 20 000 waren es im Jahr 2002, nicht gerechnet die Großveranstaltungen.
Die Besucher bestaunen edle Möbel, kunstvolle Stuckdecken, geschwungene Keramik-Öfen. Eine Eichenvertäfelung im Stil Louis XVI. verkleidet die Wand. Eine Flötenuhr spielt eine Haydn-Gavotte, zweieinhalb Minuten lang.
"Museum für adlige Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts" nennt sich das Museum.
"Hier kann man sehen, was eine reiche adlige Familie
damals unter ,Wohnen' oder besser unter Repräsentieren verstand", sagt
Museumsangestellte Sabine Alm-Schneider, die die Besucher durch die Räume
führt.
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Vor dem Ehebett von Ernst und Adelaide Schimmelmann fehlt auch der Nachttopf nicht. |
Heute will wohl kaum jemand noch so wohnen, aber zu besonderen Gelegenheiten kann jeder für ein paar Stunden in adliges Flair eintauchen: Konzerte werden im Gartensaal gegeben, die Räume können für private Feiern gemietet werden. Jedes Jahr am dritten Advent erstrahlt das ganze Schloss im Schein von fast vierhundert Kerzen - vervielfältigt von zahlreichen Spiegeln.
Der Ritter "Herr Peter Rantzau" hatte den Schlossbau Mitte der 1570er-Jahre begonnen und um 1595 fertig gestellt. Seine Familie, später in den Grafenstand erhoben, bewohnte es über sieben Generationen, bis es 1759 Heinrich-Carl Schimmelmann kaufte - auch er wurde später zum Grafen von Schimmelmann.
Er war reich geworden als Heereslieferant für den
preußischen König Friedrich den Großen. Porzellan verhalf ihm
zum Schlosserwerb: Der "Alte Fritz" bezahlte seine Schuld durch
Übereignung der Meißener Porzellan-Manufaktur, die er den Sachsen im
Siebenjährigen Krieg abgenommen hatte.
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Gespiegeltes Licht von fast 400 Kerzen taucht das Schloss zu besonderen Anlässen in Glanz. |
Schimmelmann versteigerte ein Vierteljahr lang Porzellan, einen kleinen Teil behielt er, und die leere Manufaktur gab er dem Kurfürsten von Sachsen zurück. Später suchte auch der dänische König finanziellen Rat bei dem erfolgreichen Kaufmann und adelte ihn 1762 als Baron.
Die Wohneinrichtung der Familie Schimmelmann ist es, die man heute im Schloss sehen kann - im Stil gemischt, wie es ihrer Sammelleidenschaft entsprach. Auch bekannte Maler der Zeit sind vertreten, zum Beispiel Jacob Philipp Hackert, der Zeichenlehrer Goethes, mit einem Bild der Wasserfälle von Tivoli.
Familie Schimmelmann ging es gut, aber nicht für
immer. Auch sie verkaufte das Schloss nach sieben Generationen - 1928 an die
Sparkasse Stormarn, die es damit für die Zukunft sicherte. 1955 ging es an
einen Trägerverein, der auch das Museum gründete. In den 80er-Jahren
wurde das Schloss für fast zehn Millionen Mark renoviert.
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Stolz wachen die steinernen Löwen vor dem Eingang des Ahrensburger Schlosses. Peter Rantzau hat es in den 1570er-Jahren erbaut, 1759 ging es an die Familie Schimmelmann. Im Inneren kann der Besucher adlige Wohnkultur aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundern. |
Seit dem 1. September 2003 ist es im Besitz einer neu gegründeten gemeinnützigen Stiftung von Land, Kreis, Stadt und Sparkasse. Stiftungsvorstand Jörn Könke möchte das Schloss mit weiteren Veranstaltungen beleben.
Vermietung und Verpflegung hat das Parkhotel
übernommen. Auch der
60 000 Quadratmeter große Park kann
für Veranstaltungen genutzt werden.
Ein Schlossgraben gehört für uns zum Bild
eines Adligenschlosses, doch ausgerechnet Heinrich-Carl von Schimmelmann hatte
den Graben zuschütten lassen, er war wohl nicht nach dem Geschmack der
Zeit.
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Grotesken im pompejanischen Stil waren in Mode. |
Einen großen Rokokogarten wollte er anlegen, die Pläne sind im Museum zu sehen, allerdings wurde nichts daraus. 1985 wurde der Graben wieder geöffnet, aber nicht wegen des romantischen Bildes - der Grundwasserhaushalt wird dadurch erheblich verbessert.
Anschrift/Anfahrt:
Ahrensburger
Schlossmuseum
Lübecker Straße 1, 22926 Ahrensburg
Das
Schloß liegt direkt an der B75, es ist gut ausgeschildert.
Öffnungszeiten:
März-Oktober von
11-17 Uhr (außer montags und freitags)
November-Februar von 11-17 Uhr
mittwochs, samstags und sonntags
sowie nach Absprache
Die Öffnungszeiten des Parks richten sich nach denen des Museums.
Weitere Details zum Museum finden Sie
auf der nächsten Seite.
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Die
Lübecker Nachrichten
(LN) haben in einer Serie im Sommer 2003 über die in Stormarn befindlichen
Museen berichtet. Diese, im Dezember 2004 aktualisierten Berichte haben wir
hier mit freundlicher Unterstützung durch die Zeitung und den Autoren der
Serie, Tonio Keller aufgenommen. |
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