07.01.2011

Dr. Friederike Daugelat ist neue Kulturreferentin im Kreis Stormarn

Dr. Friederike DaugelatFriederike Daugelat war von 2007 bis Ende 2010 Leiterin des Overbeck-Museums, Bremen. Zuvor hat sie mehrere Jahre als PR-Beraterin für verschiedene namhafte Kulturinstitutionen in Hamburg gearbeitet. Im Rahmen ihrer neuen Aufgabe ist sie nun für die Koordination sämtlicher kultureller Angebote des Kreises in der Metropolregion Hamburg zuständig.

„Schwerpunkt meiner Tätigkeit war immer die Vernetzung verschiedener Kulturangebote“, betont Friederike Daugelat. Die 34-Jährige hat das Bremer Overbeck-Museum in den letzten Jahren durch überregionale Kooperationen als feste Größe der Kulturlandschaft im Nordwesten etabliert. Vor allem durch die große Sonderausstellung zum 100. Todestag des Malers Fritz Overbeck, einem der Gründungsväter der Künstlerkolonie Worpswede, im Sommer 2009 hat sie bundesweit Aufmerksamkeit erregt und konnte die Besucherzahlen des Hauses mehr als verdreifachen.

Besonders das umfangreiche Begleitprogramm mit unterschiedlichen Partnern aus Tourismus und Kultur hat zu dem Publikumserfolg beigetragen. „In mehr als 50 Veranstaltungen haben wir Leben und Werk des Malers Fritz Overbeck beleuchtet. Dazu zählten Vorträge, Lesungen, Malkurse oder Konzerte“, erläutert Daugelat. „Es hat sich gezeigt, dass gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Bereiche die Ausstellung lebendig gemacht hat. Durch die Vernetzung verschiedener Disziplinen ergeben sich oft überraschende Perspektiven, und es lassen sich neue Ansätze zum Verständnis eines Werkes entwickeln.“

Diese Erfahrungen möchte Friederike Daugelat auch für ihren neuen Wirkungskreis nutzen: „Ich freue mich darauf, die vielfältige Stormarner Kulturszene kennenzulernen und Projekte aus Kunst, Musik und Literatur federführend zu gestalten. Dafür sehe ich auch in den gerade veröffentlichten kulturpolitischen Leitlinien des Kreises gute Ansätze, die sich etwa mit den Themen einer stärker vernetzten Kulturarbeit, der Förderung von Literatur und Musik oder der Einrichtung eines Stormarner Museums bzw. einer eigenen Galerie beschäftigen“, sagt die promovierte Germanistin.

Nach dem Studium der Fächer Literaturwissenschaft, Journalistik und historische Musikwissenschaft in Göttingen, London und Hamburg hat sie 2004 ihre Forschungen abgeschlossen mit der interdisziplinären Promotion über das Thema „Rainer Maria Rilke und das Ehepaar Modersohn (i.e. das Worpsweder Künstlerpaar Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn). Persönliche Begegnung und künstlerisches Verhältnis“. Im Anschluss war Friederike Daugelat über drei Jahre lang für eine Hamburger PR-Agentur tätig, wo sie als Beraterin z.B. die Hamburger Kunsthalle, die Laeiszhalle-Musikhalle Hamburg, die Hamburg Marketing GmbH oder die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen betreut hat.

„Kunst braucht Publikum war der Leitspruch der Agentur“, erzählt die gebürtige Bremerin. „Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wird das Publikum häufig erst auf kulturelle Angebote aufmerksam. Professionelles Marketing ist daher ein wichtiges Steuerungselement bei der Koordination von Kulturprojekten.“ Dies hat sich auch im Overbeck-Museum gezeigt: Nach der Einführung eines neuen Namens mit eigener Corporate Identity, der Entwicklung einer Homepage und der engen Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Medien konnte das Haus deutlich mehr Besucher verzeichnen.

„Neben einer maßgeschneiderten PR-Arbeit müssen aber vor allem die Inhalte stimmen“, betont Daugelat. So konnte sie als Museumsleiterin etwa durch ungewöhnliche Kombinationen von Worpsweder Malerei und zeitgenössischen Installationen neue Blickwinkel auf die hauseigene Sammlung eröffnen und Besucher wie Sponsoren begeistern. „Verschiedene Bremer Stiftungen haben immer wieder Projekte des Overbeck-Museums unterstützt, und der Katalog der Sonderausstellung zu Fritz Overbeck aus dem renommierten Verlag Hatje Cantz konnte dank der Hilfe von Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus Bundesfördermitteln finanziert werden“, bilanziert Friederike Daugelat.

Ein Folgekatalog, den Daugelat ebenfalls als Herausgeberin betreut hat, erscheint in diesem Jahr und widmet sich dem Werk der Malerin Hermine Overbeck-Rohte. „Die Retrospektive der Arbeiten Hermine Overbeck-Rohtes im Sommer 2011 im Overbeck-Museum habe ich noch selbst vorbereitet und kuratiert“, sagt Friederike Daugelat. „Erneut wird es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geben, das auch soziologische und historische Fragestellungen behandelt, z.B. zur Rolle der Malweiber um 1900.“

Die Begleitveranstaltungen wurden teilweise von Studenten der Universität Bremen mitentwickelt. Im Studiengang Kunst- und Kulturvermittlung hat Friederike Daugelat seit 2008 einen Lehrauftrag inne, den sie auch in Zukunft fortsetzen will. „Ich könnte mir beispielsweise gut auch eine Zusammenarbeit zwischen Stormarn und der Universität Bremen vorstellen. So könnten wir einmal nicht nur verschiedene Sparten vernetzen, sondern auch weitere überregional attraktive Veranstaltungen anbieten.“

Erste Kontakte hat sie daneben bereits in andere Landkreise Schleswig-Holsteins geknüpft: Nachdem die Bilder von Fritz und Hermine Overbeck im letzten Sommer mit großem Erfolg auf Sylt gezeigt wurden, soll die Ausstellung zu Hermine Overbeck-Rohte im Frühjahr 2012 ins Wenzel-Hablik-Museum nach Itzehoe reisen.