Lexikon

Begriff: Grundflächenzahl

Nach § 19 Absatz 1 der BauNVO (in allen ihren Fassungen) gibt die Grundflächenzahl an, wieviel Quadratmeter Grundfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche im Sinne des Absatzes 3 zulässig sind. Der Verweis auf § 19 Absatz 3 BauNVO (alle Fassungen) macht bereits deutlich, dass für die Ermittlung der Grundflächenzahl möglicherweise nicht die gesamte Fläche des (Bau)Grundstücks zugrunde gelegt werden kann.

Für die Ermittlung der zulässigen Grundfläche ist nach § 19 Absatz 3 Satz 1 BauNVO nur die Fläche des Baugrundstücks maßgebend, die im Bauland und hinter der im Bebauungsplan festgesetzten Straßenbegrenzungslinie liegt.

Hinweise zum Begriff "Bauland" (vgl. § 19 Absatz 3 BauNVO):

  • Der - im BauGB nicht mehr verwendete - Begriff des “Baulandes" geht zurück auf § 9 Absatz 1 Nummer 1 des Bundesbaugesetzes vom 23.06.1960 (BGBl. I S. 341 [S. 347]) - BBauG 1960, wonach der Bebauungsplan "... das Bauland und für das Bauland die Art und das Maß der baulichen Nutzung, die Bauweise, die überbaubaren und die nicht überbaubaren Grundstücksflächen sowie die Stellung der baulichen Anlagen ..." festsetzt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 04.07.2003 – 8 S 1251/03 –).
  • Zum Bauland gehören im Allgemeinen auch die nicht überbaubaren Grundstücksflächen im Sinn des § 9 Absatz 1 Nummer 2 BauGB und § 23 BauNVO. Dies gilt selbst dann, wenn der Bebauungsplan für diese Flächen zusätzliche Festsetzungen wie Pflanzgebote oder Pflanzbindungen nach § 9 Absatz 1 Nummer 25 BauGB trifft (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 04.07.2003 – 8 S 1251/03 –).
  • Festsetzungen nach § 9 Absatz 1 Nummer 25 BauGB führen nicht dazu, dass davon betroffene Grundstücksteile ihre Baulandqualität i.S.v. § 19 Absatz 3 Satz 1 BauNVO verlieren (Sächsisches OVG, Beschluss vom 17.11.1998 – 1 S 669/98 – in BRS 60 Nr. 167).
  • Zu der Fläche des Baugrundstücks, die nach § 19 Absatz 3 BauNVO für die Ermittlung der zulässigen Grundfläche maßgebend ist, gehören auch Flächen, für die der Bebauungsplan Festsetzungen nach § 9 Absatz 1 Nummer 25 BBauG trifft (OVG Lüneburg, Beschluss vom 17.01.1986 – 9 B 37/85 – in ZfBR 1986, 184).


Eine im Bebauungsplan festgesetzte Straßenbegrenzungslinie…
(siehe Nummer 6.2 der Anlage zur Planzeichenverordnung unter
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/planzv_90/gesamt.pdf)
…kann gleich gesetzt werden mit der früheren Fluchtlinie nach dem preußischen Fluchtliniengesetzes vom 02.07.1875, preußische Gesetzsammlung 1875 Seite 561
(siehe auch §§ 28 ff. der LBO vom 01.08.1950 unter
http://lissh.lvn.parlanet.de/shlt/lissh-dok/infothek/gvb/1950/XQQGVB5030.pdf

Eine Straßenbegrenzungslinie entfällt, wenn sie mit einer Baulinie oder Baugrenze zusammenfällt
(siehe ebenfalls Nummer 6.2 der Anlage zur Planzeichenverordnung unter
http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/planzv_90/gesamt.pdf).

Ist eine Straßenbegrenzungslinie nicht festgesetzt (das kann beispielsweise bei einem einfachen Bebauungsplan vorkommen), so ist nach § 19 Absatz 3 Satz 2 BauNVO die Fläche des Baugrundstücks maßgebend, die hinter der tatsächlichen Straßengrenze liegt oder die im Bebauungsplan als maßgebend für die Ermittlung der zulässigen Grundfläche festgesetzt ist.

Aus § 19 Absatz 2 BauNVO (alle Fassungen) ergibt sich, dass zulässige Grundfläche der nach § 19 Absatz 1 BauNVO errechnete Anteil des Baugrundstücks ist, der von baulichen Anlagen überdeckt werden darf. Rechnerisch multipliziert man dazu die maßgebliche Grundstücksfläche mit der im Bebauungsplan festgesetzten Grundflächenzahl (GRZ), also

  • GR = Fläche Baugrundstück (nach § 19 Absatz 3) x GRZ.


Da die BauNVO eine bundesrechtliche Verordnung ist, kann der Begriff „bauliche Anlage“ hier mit dem Begriff des Vorhabens im Sinne des § 29 Absatz 1 BauGB gleichgesetzt werden, der nicht nur Gebäude, sondern auch andere Anlagen einschließt. Weiterhin ist zu beachten, dass das Wort “überdeckt“ nicht gleichgesetzt werden darf mit dem Wort „versiegelt“: Überdeckt kann ein Baugrundstück deshalb auch dann sein, wenn nicht alle in Betracht kommenden Teile einer baulichen Anlage eine unmittelbare Verbindung mit Grund und Boden haben. Auch in den Luftraum hineinragende Teile können die Grundstücksfläche im Sinne von § 19 Absatz 2 BauNVO überdecken. Dabei muss es sich aber um „wesentliche" Teile handeln. Nicht bei der Ermittlung der Grundfläche der Anlage mitzurechnen ist beispielsweise die Fläche, die von dem Rotor einer Windkraftanlage überstrichen werden kann
(vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 21.10.2004 – 4 C 3.04 – unter
https://www.bverwg.de/211004U4C3.04.0).

Für die Errechnung der zulässigen Grundfläche erfasst § 19 Absatz 2 BauNVO dabei die baulichen Anlagen, die als „Hauptanlagen“ bezeichnet werden können (häufig auch GRZ 1 genannt). Zugrunde gelegt werden dabei die Außenmaße der Anlagen
(vgl. BVerwG, Urteil vom 07.06.2006 – 4 C 7.05 – unter
https://www.bverwg.de/070606U4C7.05.0.

Die am 27.01.1990 in Kraft getretene Neufassung des § 19 Absatz 4 BauNVO 1990 kehrte die bisherigen Regelungen über die Nichtanrechnung von bestimmten Nebenanlagen auf die zulässige Grundfläche oder Grundflächenzahl aus Gründen des Bodenschutzes um!
(Einzelheiten dazu siehe Bundesrat Drucksache 354/89 vom 30.06.1989 unter
http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/1989/D354+89.pdf.)

Seitdem sind bei der Ermittlung der Grundfläche auch die Grundflächen von Garagen und Stellplätzen mit ihren Zufahrten (Nummer 1), Nebenanlagen im Sinne von § 14 (Nummer 2) und bauliche Anlagen unterhalb der Geländeoberfläche (Nummer 3) – also „Nebenanlagen im weitesten Sinne“ - mitzurechnen, wobei die zulässige Grundfläche durch diese Anlagen bis zu 50 vom Hundert überschritten werden darf (häufig auch GRZ 2 genannt).

Nach unseren Erfahrungen aus der Praxis gibt es häufig unterschiedliche Meinungen zu der Frage, welche Anlagen unter die GRZ 1 fallen und damit uneingeschränkt nach § 19 Absatz 2 BauNVO angerechnet werden müssen, und welche Anlagen unter die GRZ 2, also die „Vergünstigung“ des § 19 Absatz 4 BauNVO 1990 fallen.

Insbesondere über die Einordnung von Terrassen, die unmittelbar vom Haus aus betreten werden können, wurde in der Vergangenheit häufig diskutiert. Allerdings ergibt sich (unter anderem) schon aus dem Wortlaut des § 20 Absatz 4 BauNVO 1990, dass Terrassen keine Nebenanlagen nach § 14 BauNVO sind, sondern – wie Balkone und Loggien - Bestandteile des Hauptbaukörpers
(siehe auch BayVGH, Beschluss vom 08.02.2017 – 1 ZB 15.2215 – unter
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2017-N-103806.)

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Urteil des VG Hannover vom 26.11.2019 – 4 A 12592/17 –, das nachgelesen werden kann unter
http://www.rechtsprechung.niedersachsen.de/jportal/portal/page/bsndprod?showdoccase=1&doc.id=JURE200...
(siehe dort unter den Randnummern 35 bis 54).

Deshalb haben wir unter anderem in Anlehnung an die

eine Übersicht erstellt, welche Anlagen(teile) nach nach § 19 Absatz 2 BauNVO und welche nach § 19 Absatz 4 BauNVO 1990 und welche gar nicht anzurechnen sind.

Hier die Übersicht:

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