05.08.2019

Wofür gab der Kreis am meisten Geld aus?

Kreisarchiv Stormarn macht Kontounterlagen von vor 200 Jahren zugänglich

Über Geld spricht man nicht. Eine Redewendung, die in aller Munde ist. Dabei ist es doch gerade das, was interessant ist. Das Kreisarchiv Stormarn startet mit einem neuen Projekt, das zum Ziel hat, die vielfältigen Investitionen in der Region aus den vergangenen zwei Jahrhunderten einsehbar zu machen. Für welche Vorhaben gaben der Kreis sowie die Städte, Ämter und Gemeinden Geld aus? Und wie haben sich die Gemeinden infolgedessen entwickelt?

Diese Fragen werden durch das von der Sparkasse an das Kreisarchiv übergebene Vorstandsarchiv bald genauer beantwortet werden können. So wurden durch Bevölkerungsanstieg und Verstädterung beispielsweise der Ausbau von Straßen und Kanalisation sowie die Elektrisierung notwendig. Allesamt Investitionen, die Stormarn nachhaltig formten.

Aber nicht nur der Kontostand des Landkreises und seiner Kommunen lassen sich durch die alten Dokumente nachverfolgen. „Die Unterlagen geben auch Auskunft über die Kontobewegungen der kleinen Leute“, sagt Kreisarchivar Stefan Watzlawzik. So sind in circa 150 Bänden die Einkünfte und Ausgaben von beispielsweise Dienstmädchen oder Schustergesellen von vor über 100 Jahren notiert: in tabellarischer Form und in feinsäuberlicher Handschrift.

Stefan Watzlawzik und Sarah Walter vom Kreisarchiv Stormarn präsentieren Sammlungsstücke, die zur Digitalisierung geschickt werden
auf dem Foto: Stefan Watzlawzik und Sarah Walter vom Kreisarchiv Stormarn präsentieren Sammlungsstücke, die zur Digitalisierung geschickt werden

„Das wirtschaftliche Handeln des Kreises transparent machen“

Unterstützt wird das Projekt mit 72.000 € von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Damit werden die Dokumente aus dem Zeitraum von 1824 bis in die 1950er-Jahre gescannt und bald für alle Forschenden einsehbar. „So leisten wir einen wesentlichen Beitrag dazu, den wirtschaftlichen Erfolg Stormarns transparent zu machen“, sagt Watzlawzik.

Schon mehrere Universitäten haben ihr Interesse an den digitalisierten Unterlagen des Kreisarchivs angemeldet, darunter neben der Universität Hamburg, auch die Unis in Aachen, Mannheim und Hohenheim. Die Dokumente zu analysieren und zu beforschen ist insbesondere für Wirtschaftshistoriker von Interesse. Insgesamt 25 Regalmeter - die Maßeinheit in Archiven - umfasst der Sparkassen-Bestand, darunter auch Fotografien von ehemaligen Filialen.

Lediglich die Archive in Kiel und Mölln haben auch Unterlagen von Sparkassen, allerdings kleinere Bestände. Digital sind, zum Beispiel auf dem Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek, noch keine Dokumente von Sparkassen zu finden. Das wird sich nun ändern.

Die Geschichte der Kreissparkasse

Bereits 1824 gab es die ältesten Vorgänger der Sparkasse Holstein in Stormarn. Sie wurden mit dem Ziel gegründet, Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit zu bewirken. 1913 wurde die Sparkasse des Kreises Stormarn in Wandsbek gegründet. Insgesamt gingen etwa 15 einzelne Sparkassen in der Kreissparkasse auf, wie etwa die Sparkasse in Reinfeld (1842 gegründet) oder die Rethwischer Sparcasse (1854 gegründet).

Aufgrund der Gebietsabtretung durch das Groß-Hamburg-Gesetz 1937, mussten die verbliebenen Stormarner Sparkassen-Filialen in Hamburg schließen. In Folge dessen zog die Kreissparkasse 1942 von Wandsbek nach Ahrensburg und nur zwei Jahre später weiter nach Bad Oldesloe. 2006 schlossen sich die Sparkasse Ostholstein und die Sparkasse Stormarn unter dem Namen Sparkasse Holstein zusammen.

Die Sparkasse engagiert sich von Beginn an für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben in der Region. Aktuell gibt es 19 Stiftungen der Sparkasse Holstein, wie die Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, die gemeinsam mit dem Kreisarchiv unter anderem das Stormarn Lexikon aufbaut.

Die ersten zehn digitalisierten Bände können sie anschauen unter: www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/?b_id=135