17.04.2026

Was war vor 50 Jahren in Stormarn wichtig? Im Kreisarchiv Stormarn ist alles präsent. Ein Blick in das Gedächtnis des Kreises. Heute Teil 5 der fünfteiligen Serie

„Umringt von 15 Fotografen und Filmleuten stellten sich die Gewinner der begehrten Fernseh- und Hörfunktrophäen im Park des Schlosses Tremsbüttel. Der aus Bronze gegossene nackte Jüngling (hinten Mitte) schaute von seinem Marmorpodest ungerührt zu“, beschrieb Journalist Raimund Marfels am 9. März 1976 die Verleihung des Zuschauerpreises „Goldener Bildschirm“ an Prominente aus dem Fernsehen. Cornelia Froboess und Peter Alexander gehörten damals dazu und waren zur Preisverleihung nach Stormarn gekommen.

„Der goldene Bildschirm“ wurde 1959 erstmals von der Fernsehzeitschrift „Bildschirm“ unter anderem an Bernhard Grzimek, Caterina Valente und Peter Frankenfeld verliehen. Ihre Bedeutung in der Geschichte des Fernsehens und in der Programmzeitschriften-Presse verdankt die Bildschirm-Illustrierte der Verleihung dieses ältesten deutschen Fernsehpreises. Später ging die Zeitschrift in der „Hör zu“ auf, die den Preis noch bis 1977 weiter verlieh.

Verleihung des "Goldenen Bildschirms": Preisträger mit Blumensträußen, darunter Sänger und Schauspieler Peter Alexander, Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess sowie Naturfilmer Heinz Sielmann,1976I1/27731
Herrenhaus Schloss Tremsbüttel: Terrasse: Verleihung des "Goldenen Bildschirms": Preisträger mit Blumensträußen, darunter Sänger und Schauspieler Peter Alexander, Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess sowie Naturfilmer Heinz Sielmann,1976

Historiker Lu Seegers weist darauf hin, dass den Fernsehzeitschriften wie der „Hör zu“ eine größere Bedeutung zukomme, als allgemein zugestanden. „Für eine Millionenleserschaft von Woche zu Woche konzipiert, verweisen sie auf populäre gesellschafts- und geschlechterbezogene Leitbilder sowie auf vorherrschende öffentliche Konsensvorstellungen und Sagbarkeitsregeln in einer Gesellschaft.“ Für die Fernsehzuschauer wurden mit dem Goldenen Bildschirm alte Bekannte geehrt, die sie regelmäßig im TV-Gerät in ihrem Wohnzimmer sahen.

Verleihung des "Goldenen Bildschirms" Innenansicht: Sänger und Schauspieler Peter Alexander im Gespräch mit Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess, 1976I1/27674
Herrenhaus Schloss Tremsbüttel: Verleihung des "Goldenen Bildschirms"
Innenansicht: Sänger und Schauspieler Peter Alexander im Gespräch mit Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess, 1976

Cornelia Froboess und Peter Alexander

Dieter Wedel, Cornelia Froboess und Peter Alexander waren 1976 die Preisträger, die für die Verleihung persönlich nach Tremsbüttel kamen. „Aus 182 697 Postkarten von Zuschauern sind unter 70 namhaften Künstlern Comelia Froboess und Peter Alexander zu „Stars des Jahres' erklärt und mit dem „Goldenen Bildschirm" ausgezeichnet worden“, meldete das „Stormarner Tageblatt“ am 8. März 1976. Peter Alexander erhielt die begehrte Trophäe da bereits zum fünften Mal. „Peter Alexander, der seinen fünften „Goldenen Bildschirm" erhielt, wollte nach der Preisverleihung unbedingt noch einen Spaziergang im Tremsbütteler Schloßpark machen“, wunderte sich der Journalist.

Cornelia Froboess erhielt den Preis mit der Würdigung, ihr sei die Wandlung vom singenden Kinderstar zur anspruchsvollen Künstlerin gelungen. Ihre Wahl sei eine „bombendicke Überraschung" gewesen. Auch Tierfilmer Heinz Sielmann wurde 1976 mit der Auszeichnung für seine Beiträge unter dem Titel „Expedition ins Tierreich“ geehrt.

Es war nicht das erste Mal, dass Tremsbüttel als Kulisse für die Preisverleihung diente. Im Kreisarchiv dokumentiert der Fotograf Raimund Marfels seit 1969 die Preisverleihung, die bis 1976 im Herrenhaus stattfand. Liselotte Pulver und Rudi Carell stießen 1975 auf die Ehrung in dem Stormarner Herrenhaus an. „Der sieht ja aus wie ein großer Junge“, meinte ein Teilnehmer über Rudi Carrell, der in legerem Sportanzug mit geblümtem, offenem Hemd erschienen war und lustig plauderte wie in seinen Show-Sendungen. Lilo Pulver war ebenso liebenswürdig“, beschrieb ein Journalist die Szene in den „Stormarner Nachrichten“, die im Kreisarchiv archiviert sind. „Keine Spur von Starallüren.“

Schloss Tremsbüttel, eigentlich ein Herrenhaus, hatte die Familie Oellerich nach Umbauten 1949 als Luxushotel eröffnet und 1950 zum Schlosspark hin um eine große Terrasse erweitert. Laut Stormarn-Lexikon kaufte der Hamburger Fabrikant Siegfried Zimmermann das Hotel 1958 und baute es weiter aus. Prominente Gäste waren Sophia Loren, Leonard Bernstein, Klaus Kinski sowie die Beatles und die Rolling Stones. Mehrfach fanden Dreharbeiten und Preisverleihungen dort statt. Mit dem Goldenen Bildschirm waren in Stormarn über die Jahre auch schon Hans Rosenthal, Hans-Joachim Kulenkampff, Inge Meysel, Heidi Kabel oder Vico Torriani geehrt worden.

Verleihung des "Goldenen Bildschirms" Innenansicht: Preisträger mit Blumensträußen, darunter Sänger und Schauspieler Peter Alexander, Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess sowie Naturfilmer Heinz Sielmann, 1976I1/27681
Herrenhaus Schloss Tremsbüttel: Verleihung des "Goldenen Bildschirms"
Innenansicht: Preisträger mit Blumensträußen, darunter Sänger und Schauspieler Peter Alexander, Sängerin und Schauspielerin Cornelia Froboess sowie Naturfilmer Heinz Sielmann, 1976